Nach sieben Wochen ging der Marius-Prozess am Donnerstag in Oslo zu Ende. Wobei „Ende“ nicht ganz richtig ist, denn jetzt beginnt das Warten auf das Urteil, welches erst Anfang Juni erwartet wird. Es sind turbulente Wochen vergangen – Wochen voller schmerzhafter Schilderungen, Enthüllungen und Tränen, sowohl für die mutmaßlichen Opfer als auch für den Angeklagten selbst.
Und auch die letzte Woche hatte es noch einmal in sich. Wenige Stunden bevor alle Beteiligten ein letztes Mal den Gerichtssaal 250 verlassen, spricht eine Anwältin plötzlich ein Machtwort; sie ist überhaupt nicht „amused“ vom Verhalten ihrer Mandantin. Was war passiert?
Frogner-Frau kassiert Rüge kurz vor Prozessende
Wie auch schon an den vergangenen Prozesstagen waren am letzten Tag die Frauen im Gerichtssaal anwesend, denen gegenüber Marius sich gewalttätig verhalten haben soll. Eine davon: die sogenannte „Frogner-Frau“. Es handelt sich um eine Ex-Freundin, durch die 2024 der gesamte Fall um den Sohn der Kronprinzessin ins Rollen kam. Er hatte ihre Wohnung verwüstet (am Ende steckte ein Messer in der Wand) und war ihr gegenüber gewalttätig geworden. Er soll sie gewürgt und geschlagen haben.
Immer wieder bestand ein Kontaktverbot, das beide allerdings brachen. Sie konnten offenbar nicht ohneeinander – und daran scheint sich bis heute nichts geändert zu haben. Während des Prozesses ließen beide daran keine Zweifel aufkommen. Marius ließ ihr am Valentinstag – trotz Kontaktverbot – Blumen und einen Brief aus dem Gefängnis zukommen. Vor Gericht lächelten sie sich immer wieder zu und suchten den Blickkontakt.
Anwältin duldet es nicht
Diese wohl letzte Chance wollten sie sich am letzten Prozesstag nicht nehmen lassen. Dass sie in der vergangenen Woche bereits vom Richter wegen ihres Geflirts gerügt worden waren, schien ihnen egal. Und so trafen sich ihre Blicke erneut, wobei ihnen ein Lächeln über die Gesichter huschte.
Ein Umstand, der diesmal allerdings nicht den Richter, sondern die Anwältin der Frogner-Frau auf den Plan rief. Ihr gefiel das Beobachtete überhaupt nicht. Sie rügte ihre Mandantin und flüsterte ihr etwas ins Ohr, wie Reporter vor Ort beobachteten. Daraufhin legte diese eine ernste Miene auf.
Auf diese Strafe plädiert die Verteidigung
Nicht der einzige bemerkenswerte Moment: Morten Borg, Marius’ Vater, war ebenfalls vor Ort und tauschte Lächeln mit seinem Sohn aus. Seine letzte Chance, sich zu äußern, Reue zu zeigen oder sich bei den Frauen zu entschuldigen, ließ Marius heute verstreichen; er gab an, nichts zu sagen zu haben.
Nachdem der Prozesstag am Dienstag wegen Krankheit des Richters kurzfristig ausfallen musste, blieb vor allem eine Aussage in Erinnerung: Marius gab an, Aufnahmen der Frauen in eine geheime App verschoben zu haben, um sie vor Mette-Marit zu verstecken.
Was der Richter davon sowie von den weiteren Ausführungen des Angeklagten hält? Er wird es in den kommenden Wochen abwägen. Die Staatsanwaltschaft fordert sieben Jahre und sieben Monate Gefängnis und sieht Marius in 39 von 40 Anklagepunkten als schuldig an. Hinzu kommen Schmerzensgeldforderungen in Höhe von etwa 174.000 Euro. Marius’ Anwälte plädieren hingegen auf maximal zwei Jahre Haft und eine Halbierung der Schmerzensgelder.










































